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Auto-Mythen, die Sie im Winter umfahren sollten

Winter ist eine harte Zeit - auch für Autofahrerinnen und Autofahrer. Diese Mythen können Sie dabei umgehen.

Auto-Mythen, die Sie im Winter umfahren sollten

Richtige Ausrüstung und gezieltes Training sorgen für Sicherheit im Winter. Bild: zvg

Der Winter rückt rasch näher. Und er hält auch auf der Strasse Herausforderungen für Mensch und Maschine bereit. Doch mit der richtigen Technik und ein paar Tipps und Tricks meistert man auch die. Dabei kann man einiges richtig und vieles falsch machen. Deshalb räumen wir hier mit ein paar gängigen Mythen auf.

Klimaanlage richtig nutzen

Beim Wort Klimaanlage denken wir vor allem an heisse Sommertage. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, da der kühle Luftstrom im Sommer fast schon lebenswichtig ist. Verbreitet ist allerdings auch die Meinung, im Winter Energie sparen zu können, indem man die Klimaanlage ausschaltet. Schliesslich geht es im Winter vor allem ums Heizen. Doch: Der Klimakompressor leistet auch im Winter wertvolle Dienste. Das System kann die Luft nicht nur kühlen, es entfeuchtet auch. Gerade im Winter, wo man oft mit nasser Kleidung oder Schnee an den Schuhen ins Auto einsteigt und die Luft tendenziell ohnehin schon feuchter ist, hilft das, das Beschlagen der Scheiben zu verringern.

Richtig warm werden

Tiefe Temperaturen mag die Mechanik nicht sonderlich. Und der Mensch ja sowieso nicht. Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und das Auto vor der Haustür ein paar Minuten lang warmlaufen lassen, bevor es losgeht? Gleich mehrere Gründe sprechen dagegen. Vor allem natürlich die Belastung für Umwelt und Nachbarn. Währenddessen das Warmlaufen im Stand dem Wagen nur wenig bringt. Denn der Start, also vor allem die ersten paar Umdrehungen mit kalter Mechanik, bleiben dem Motor auch so nicht erspart. Und weil der Motor ohne Last läuft, wärmen sich die Komponenten und das Öl langsamer auf. Bei einem Diesel entsteht im Leerlauf zudem mehr Russ, der dem System schadet. Also besser einfach einsteigen, Motor starten und losfahren. Und natürlich auf den ersten Kilometern Vollgas und hohe Drehzahlen vermeiden. Bei einem Elektroauto entfallen diese Sorgen weitestgehend. Hier kann die Vorklimatisierung im Stand problemlos genutzt werden. Sie hilft auch dem Akku, auf Temperatur zu kommen, wodurch dieser besser funktioniert.

Profil ist nicht alles

Wer sich von Oktober bis Ostern - so die gängige Faustregel - für Winterreifen entscheidet, macht schon mal vieles richtig. Und jede Saison wieder stellt sich hier die Frage: Taugen die Reifen noch einen Winter oder müssen neue her? Das Gesetz schreibt eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern vor. Für den Winter mit Nässe und Schnee ist das absolut unbrauchbar. Die meisten Winterreifen büssen bei weniger als 4 Millimetern Profiltiefe deutlich an Haftung ein. Ein neuer Winterreifen hat, je nach Modell, 7,5 bis 9 Millimeter Profil. Wer wenig und reifenschonend unterwegs ist, wird also auch nach mehreren Saisons noch genügend Profiltiefe auf dem Winterreifen haben. Aber: Der Winterreifen unterscheidet sich nicht nur durch sein Profil vom Sommerreifen. Er verfügt über eine deutlich weichere Gummimischung. Diese sorgt dafür, dass die Winterreifen deutlich besser mit tiefen Temperaturen klarkommen. Bei weniger als 7 Grad Celsius bieten sie auch auf trockener Fahrbahn mehr Grip. Doch: Über die Jahre verflüchtigt sich der Weichmacher, die Reifen werden spröde und bieten, trotz viel Profil, nur noch wenig Haftung. Deshalb sollten Winterreifen in jedem Fall nach spätestens sechs bis acht Jahren ersetzt werden. Wie alt die Reifen tatsächlich sind, verraten sie mit dem DOT-Aufdruck auf der Reifenflanke. Die vierstellige Zahl steht für die Kalenderwoche (erste zwei Ziffern) und das Jahr (zweite zwei Ziffern) der Produktion.

Der wichtigste Faktor

Mit der richtigen Vorbereitung und Ausrüstung kann man im Winter schon viele Gefahrenquellen umgehen. Ein Faktor wird aber weiterhin - oder gar zunehmend - unterschätzt: der Mensch hinter dem Lenkrad. Auch wer viel fährt, fährt nicht zwingend gut und sicher. Gerade in anspruchsvollen winterlichen Situationen. Ein Sicherheitsfahrtraining ist also immer eine gute Investition, um Reflexe zu erlernen und zu festigen. Hier lernt man auch, was die Sicherheitssysteme in modernen Autos können. Und vor allem: was sie nicht können. Gerne führen sie nämlich auch zu einer falschen Sicherheit: Auch wer mit aktiv geregeltem Allradantrieb, ESP, ABS und neuen Winterreifen unterwegs ist, ist nicht unverwundbar. Wer seine Grenzen und die der Fahrphysik kennt, schätzt Gefahren besser ein - und kommt sicherer an. Ein Winterfahrtraining ist übrigens nicht nur eine gute Investition in die eigene Sicherheit, sondern auch ein schönes Weihnachtsgeschenk. Philipp Aeberli