Das Gemeindehaus ist ein kommunal geschütztes Kulturobjekt innerhalb der Ortsbildschutzzone. Daher erfolgte die Sanierung in enger Abstimmung mit der kantonalen Denkmalpflege. Im Zuge der Arbeiten wurde das Dach des Gebäudes als erstes Kulturobjekt im Kanton mit Solarziegeln eingedeckt. Die Photovoltaikanlage in Form von Solarziegeln hat Pilotprojekt-Charakter und Signalwirkung für den ganzen Kanton. Sie zeigt auf, wie eine PV-Anlage auf einem Kulturobjekt innerhalb einer Ortsbildschutzzone umgesetzt werden kann. Gleichzeitig wurde damit ein baukultureller Beitrag zur Umsetzung des fortschrittlichen kantonalen Energiegesetzes geleistet.
Notwendige Sanierung mit Bedingungen
Bereits seit längerer Zeit war bekannt, dass das Gemeindehaus insbesondere den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht mehr genügte. An der Urnenabstimmung vom 27. September 2020 wurde die räumliche Entwicklung der Gemeindeverwaltung sowie der Sozialen Dienste Appenzeller Mittelland (SDAM) abgelehnt. Dieses Projekt hätte einen behindertengerechten Zugang zum Erdgeschoss ermöglicht. Da die Umsetzung des Gesetzes weiterhin verpflichtend ist und der Zugang für alle Bevölkerungsgruppen verbessert werden sollte, wurden verschiedene Varianten sowie Kostenschätzungen für eine Sanierung überprüft.



Wie bereits im Gemeindeblatt vom August 2024 informiert wurde, genehmigte der Gemeinderat an seiner Sitzung vom 14. August 2024 den Kostenvoranschlag für die Sanierung des Gemeindehauses und gab das Projekt zur Umsetzung frei. Nach einer umfassenden Analyse des Gebäudes und der technischen Installationen konnten im Rahmen der Sanierung mehrere zentrale Schwerpunkte umgesetzt werden. Dazu zählen das bereits erwähnte Behindertengleichstellungsgesetz, die Berücksichtigung der geltenden Bestimmungen von Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, ein aktualisierter Brandschutz, sowie die Sicherstellung und Erneuerung wichtiger Gebäudeteile des denkmalgeschützten Verwaltungsgebäudes für die kommenden Jahre (darunter Elektrizität, Heizung, Sandstein, Gebäudehülle und sanitäre Anlagen).
Barrierefreier Zugang und neues Raumkonzept
Der bisherige Nebeneingang im Untergeschoss an der Südfassade wurde zum neuen behindertengerechten Haupteingang umgestaltet. Dadurch konnten bauliche Eingriffe wie Rampen oder Anbauten an der zum Dorfplatz gerichteten Fassadenseite vermieden werden. Der Aussenraum beim neuen Gebäudezugang wurde entsprechend angepasst, sodass er den gesetzlichen Anforderungen für Personen mit Rollstuhl, Gehhilfe oder Kinderwagen entspricht. Gleichzeitig wurde auch die interne Erschliessung angepasst: Der öffentliche Hauptzugang auf der Dorfplatzseite wurde an den früheren Wohnungseingang verlegt.


Alle Geschosse sind nun über eine Liftanlage erschlossen, sodass Besucherinnen und Besucher, Behördenmitglieder sowie Mitarbeitende das Gebäude hindernisfrei nutzen können. Zudem wurden die Räume in einen öffentlichen sowie einen halböffentlichen Bereich gegliedert. Der öffentliche Bereich umfasst die beiden Gebäudezugänge mit Liftanlage, den neugestalteten Besucherempfang mit Wartebereich, die Planauflage zur Präsentation von Baugesuchen sowie ein behindertengerechtes WC. Im halböffentlichen Bereich zwischen Erdgeschoss und dem zweiten Obergeschoss befinden sich die Büro-, Sitzungs- und Nebenräume der Gemeindemitarbeitenden.
Das als Lager genutzte Dachgeschoss wurde wärmegedämmt und zu einem grosszügigen Sitzungszimmer und Aufenthaltsraum mit entsprechenden Nebenräumen umgebaut. Im Untergeschoss befinden sich weiterhin die Archivräume. Diese wurden soweit möglich gegen aufsteigende Feuchtigkeit saniert. Durch Feuchtigkeit beschädigte Wandbereiche und Sandsteingewände wurden instandgesetzt oder ersetzt.


Ab April wieder in Betrieb
Nach Abschluss der Innenarbeiten erfolgt Ende März der Umzug der Verwaltung aus den provisorischen Räumlichkeiten zurück in das sanierte Gemeindehaus. Ab dem 1. April wird die Bevölkerung wieder vollständig im Gemeindehaus empfangen. Der neue Zugang befindet sich – vom Dorfplatz her gesehen – bei der rechten Eingangstür.
Nach Abschluss der Umgebungsarbeiten wird voraussichtlich ab Juni auch der behindertengerechte Zugang über die Südfassade zugänglich sein. Dies wird zum Anlass genommen, der Bevölkerung das sanierte Gemeindehaus an einem Tag der offenen Tür zu präsentieren. Das genaue Datum wird im Gemeindeblatt publiziert. (vred)